Prof Dr Rüdiger Horstmann

Pflege am Limit – ein Beruf in der Dauerkrise

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Pflege war nie ein bequemer Job.
Aber was einmal als Berufung begann, ist für viele heute nur noch ein Kampf: gegen Überlastung, Unterbezahlung, bürokratische Hürden – und gegen den eigenen Ausstieg.

Dass der Pflegeberuf in Deutschland an seine Grenzen gekommen ist, ist längst keine Neuigkeit mehr. Doch was sich 2023 als statistischer Mangel darstellte, droht in den kommenden Jahren zum Systemkollaps zu werden.


🔢 Die Zahlen, die keiner mehr überhören darf

  • 7.100 unbesetzte Pflege-Stellen allein im Jahr 2023
  • 90.000 fehlende Fachkräfte bis 2035
  • 280.000 bis 2049, wenn nicht massiv gegengesteuert wird

Diese Entwicklung ist nicht einfach „besorgniserregend“. Sie ist eine sozialpolitische Zeitbombe.

Denn gleichzeitig steigt der Pflegebedarf rasant:
🔸 Unsere Gesellschaft altert.
🔸 Die Babyboomer gehen in Rente.
🔸 Immer mehr Menschen werden pflegebedürftig.
🔸 Immer weniger junge Menschen entscheiden sich für den Pflegeberuf.

Das ist keine Prognose – das ist Gegenwart.


🧓 Die Folgen spüren wir schon heute

Pflegekräfte arbeiten unter Bedingungen, die vielerorts nicht mehr zumutbar sind:

  • Zu wenig Personal pro Schicht
  • Chronische Überlastung
  • Hohe Fehlzeiten, weil das eigene Immunsystem streikt
  • Gefühl, nur noch durch den Tag zu hetzen
  • Kaum Zeit für das, worauf es eigentlich ankommt: menschliche Zuwendung

Viele steigen aus – innerlich oder endgültig. Andere erst gar nicht ein.

Und damit beginnt der Kreislauf von vorn: Wer bleibt, muss noch mehr auffangen.


🌍 Ein Blick ins Ausland – es geht auch anders

Dass es auch anders geht, zeigen Länder wie Schweden, Norwegen oder die Niederlande:

  • In Schweden liegt der Anteil von Pflegepersonal pro 1000 Einwohner fast doppelt so hoch wie in Deutschland.
  • In Norwegen wird der Pflegeberuf als attraktiver Karriereweg gesehen – nicht als Notlösung.
  • In den Niederlanden ist der Grad der Digitalisierung in der Pflege deutlich weiter, was Zeit spart und Qualität hebt.

Und das Resultat?

👉 Weniger Fluktuation.
👉 Mehr Zeit für Patienten.
👉 Mehr Zufriedenheit.

Das Problem ist also nicht die Demografie, sondern der Umgang mit ihr.


💸 Was läuft falsch?

Wir haben zu lange gespart – nicht nur am Geld, sondern an Würde, Wertschätzung und Weitsicht.

Der Pflegeberuf ist…

– systemrelevant, aber strukturell vernachlässigt
– unverzichtbar, aber unattraktiv gemacht
– überlebenswichtig, aber oft unterbezahlt und überfordert

Das ist ein gesellschaftlicher Widerspruch, der nicht länger tragbar ist.


🚨 Wenn das Rückgrat bricht, fällt das ganze System

Pflegekräfte sind das unsichtbare Rückgrat unseres Gesundheitssystems. Wenn dieses Rückgrat weiter bricht,
dann trifft es nicht nur Kliniken oder Heime – sondern uns alle:

  • Patienten, die keine Versorgung mehr finden
  • Angehörige, die aus Überforderung selbst erkranken
  • Krankenhäuser, die Betten sperren müssen
  • Volkswirtschaftliche Schäden durch hohe Ausfallkosten
  • Ein drohender gesellschaftlicher Werteverlust

🧭 Was wir jetzt brauchen

Statt Applaus auf Balkonen braucht es endlich strukturelle Veränderungen:

✅ Faire Gehälter, die Leistung und Verantwortung widerspiegeln
✅ Verlässliche Personalbemessung, gesetzlich verankert
✅ Karrierechancen und Weiterbildungsmodelle für Pflegekräfte
✅ Entbürokratisierung, damit Pflege wieder pflegen darf
✅ Digitalisierung, die unterstützt – nicht aufhält
✅ Ein gesellschaftliches Umdenken, das Pflege nicht mehr als Belastung, sondern als Basis sieht


📣 Fazit: Der Kipppunkt ist erreicht

Was wir heute erleben, ist kein vorübergehender Engpass – es ist ein Kipppunkt.
Ein Moment, in dem sich entscheidet, ob Pflege in Deutschland eine Zukunft hat.

Oder ob wir in wenigen Jahren sagen müssen:

„Wir wussten es – und haben trotzdem nichts geändert.“


💬 Was denken Sie? Was müsste sich konkret ändern, damit Pflege in Deutschland wieder Zukunft hat – für die Pflegenden und für uns alle?
Ich freue mich auf Ihre Perspektiven.

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Bild von Prof. Dr. Rüdiger Horstmann

Prof. Dr. Rüdiger Horstmann

Prof. Dr. med. Rüdiger Horstmann, seit 40 Jahren Facharzt für Chirurgie, war Chefarzt und Ärztlicher Direktor eines Krankenhauses in Münster sowie Leiter des Adipositas-Centrums Münster. Er arbeitet jetzt als Buchautor, wird zudem vermehrt als Keynote-Speaker angefragt und ist für Kliniken und Unternehmen als Coach für Teamprozesse mit Schwerpunkt auf der Integration aller Mitarbeitenden tätig.

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